Warum ein beschädigtes Elektroauto anders geborgen wird
Bei einem Auto mit Benzin- oder Dieselmotor ist die Gefahr meist vorbei, wenn der Motor aus ist. Bei einem Elektroauto kann eine beschädigte Antriebsbatterie noch Stunden oder Tage später gefährlich werden. Einzelne Zellen erhitzen sich dann von selbst und können sich entzünden, auch wenn das Auto von außen heil aussieht.
Deshalb wird jedes verunfallte Elektroauto auf Warnzeichen geprüft, bevor es bewegt wird. Darauf achten Feuerwehr und Abschleppdienst:
- Starke Hitze im Bereich der Batterie, spürbar oder mit einer Wärmebildkamera sichtbar.
- Gas, Zischen oder Knacken aus dem Unterboden.
- Dichter Rauch, auch ohne offene Flamme.
- Ein sichtbar beschädigtes oder verbogenes Batteriegehäuse unter dem Auto.
Wer die Batterie nach einem Unfall abschalten darf
Ein normaler Abschleppfahrer darf die Antriebsbatterie nicht selbst abschalten. Die Regeln der Berufsgenossenschaften verlangen dafür eine besonders geschulte Fachkraft. Ist die Lage unklar oder gefährlich, muss eine noch höher ausgebildete Person dazukommen.
Bei einem schweren Unfall mit Warnzeichen ist deshalb zuerst die Feuerwehr zuständig. Sie trennt die Batterie nach den Vorgaben des Herstellers vom Rest des Autos. Erst danach bringt ein Abschlepp- oder Bergungsdienst mit geschultem Personal das Auto zur Werkstatt oder auf einen gesicherten Platz.
Hilfreich für die Feuerwehr ist die Rettungskarte. Das ist ein genormtes Blatt, meist hinter der Sonnenblende, das zeigt, wo Batterie, Stromkabel und Airbags sitzen. Viele neuere Rettungskarten haben einen QR-Code zum passenden Datenblatt des Herstellers. Fehlt die Karte, verliert die Feuerwehr Zeit.
Wie lange ein Elektroauto nach dem Unfall beobachtet wird
Nach dem Unfall kommt ein beschädigtes Elektroauto oft auf einen abgesperrten Platz im Freien. Dort wird es beobachtet, bis klar ist, dass sich die Batterie nicht mehr von selbst erhitzt. Fachleute nennen das Quarantäne. Audi verlangt dafür eine feste Fläche, 5 Meter Abstand zu allem, was brennen kann, und eine regelmäßige Kontrolle der Temperatur.
Die fünf Tage sind eine Empfehlung von Audi und keine Pflicht für alle. Andere Hersteller nennen andere Werte für ihre Modelle. Was für Ihr Auto gilt, steht im Datenblatt des Herstellers oder in den Vorgaben der Werkstatt.
Wann ein Elektroauto nach einem Unfall ein Totalschaden ist
Ob ein Elektroauto repariert wird, hängt vor allem von der Antriebsbatterie ab, denn sie ist das teuerste Teil im Auto. Ein Prüfgerät misst dafür den Zustand der Batteriezellen, den sogenannten SoH-Wert. Totalschaden heißt, dass sich die Reparatur nicht mehr lohnt.
| Schaden am Auto | Was die Prüfung der Batterie zeigt | Was meist folgt |
|---|---|---|
| Blechschaden, Unterboden nicht berührt | kein Verdacht, Prüfung meist nicht nötig | Reparatur wie bei jedem Auto |
| Unterboden berührt, Batterie sieht heil aus | Prüfung zur Sicherheit, meist unauffällig | Reparatur nach Freigabe |
| Batteriegehäuse sichtbar beschädigt | Zellen beschädigt oder Ergebnis unklar | neue Batterie, oft Totalschaden |
Eine beschädigte Antriebsbatterie darf nach den Vorgaben der Hersteller meist nicht repariert werden, sondern wird ganz getauscht. Das kostet schnell mehr als 15.000 Euro. Bei einem älteren Auto ist das oft mehr, als ein gleichwertiges Auto kosten würde. Dann rechnet die Versicherung einen Totalschaden ab, auch wenn die Karosserie kaum Kratzer hat.
Auch nach einer Reparatur verliert ein Elektroauto mit Unfall oft mehr an Wert als ein anderes Auto. Käufer sind bei Elektroautos mit Unfall vorsichtig. Lassen Sie sich das Ergebnis der Batterieprüfung deshalb schriftlich geben. Das hilft Ihnen später beim Verkauf.
So läuft die Bergung eines Elektroautos ab
Absichern und hinschauen
Warnblinker, Warndreieck und Warnweste wie bei jedem Unfall. Dazu ein Blick auf Hitze, Rauch oder Geräusche unter dem Auto.
Bei Verdacht Feuerwehr rufen
Gibt es Warnzeichen oder ist der Unterboden stark beschädigt, entscheidet die Feuerwehr, wie es weitergeht.
Batterie abschalten
Nur geschultes Personal trennt die Batterie vom Rest des Autos, nach den Vorgaben des Herstellers.
Aufladen und wegbringen
Ein geschulter Abschlepp- oder Bergungsdienst lädt das Auto meist auf eine Ladefläche, damit die Batterie nicht zusätzlich belastet wird.
Beobachten und prüfen
Auf einem gesicherten Platz folgen die Beobachtung und die Prüfung der Batterie. Danach fällt die Entscheidung über Reparatur oder Totalschaden.
Was das für Sie als Halter heißt
Für Sie ändert sich vor allem der Ablauf, nicht die Frage, wer zahlt. Auch bei einem Elektroauto zahlt die Versicherung des Unfallgegners, wenn Sie nicht schuld waren, sonst Ihre Vollkasko. Das sind dieselben Regeln, nach denen sich richtet, wer die Abschleppkosten zahlt.
Zu den Kosten, die erstattet werden, gehören auch der gesicherte Abstellplatz und die Prüfung der Batterie, wenn es einen begründeten Verdacht auf einen Schaden gab. Ohne Verdacht kann die Versicherung eine unnötige Prüfung kürzen. Halten Sie Warnzeichen deshalb schon an der Unfallstelle fest.
Zeigt das Auto Warnzeichen wie Hitze, Rauch oder Geräusche am Unterboden?
Dann muss es auf einen gesicherten Platz und beobachtet werden. Das empfehlen Feuerwehr oder Hersteller.
Wurde der Unterboden oder das Batteriegehäuse beim Unfall getroffen?
Lassen Sie die Batterie prüfen, auch ohne Warnzeichen. Das Ergebnis sollte vor der Reparatur feststehen.
Meist ist keine Beobachtung nötig. Das Auto kann in die Werkstatt.
- Sagen Sie dem Abschleppdienst am Telefon, dass es ein Elektroauto ist und ob Sie Warnzeichen sehen.
- Lassen Sie sich bestätigen, dass der Betrieb geschultes Personal hat oder die Feuerwehr schon da ist.
- Fragen Sie in der Werkstatt nach einer Prüfung der Batterie, auch wenn der Schaden klein aussieht.
- Machen Sie vor dem Abtransport Fotos vom Auto.
- Klären Sie früh mit der Versicherung, ob sie Abstellplatz und Batterieprüfung bezahlt.
Bleibt ein Elektroauto ohne Unfall liegen, gelten andere Regeln für das Elektroauto abschleppen.
Häufige Fragen
Ist es gefährlich, ein Elektroauto nach einem Unfall abzuschleppen?
Ein Elektroauto ohne Warnzeichen lässt sich nach einem Unfall meist genauso sicher abschleppen wie jedes andere Auto. Gibt es Hitze, Rauch oder Geräusche am Unterboden, prüft zuerst die Feuerwehr die Batterie. Erst danach darf das Auto bewegt werden.
Wie lange muss ein Elektroauto nach einem Unfall beobachtet werden?
Ein Elektroauto wird nach einem Unfall je nach Hersteller unterschiedlich lange beobachtet. Audi empfiehlt mindestens fünf Tage mit regelmäßiger Kontrolle der Temperatur. Was für Ihr Modell gilt, steht im Datenblatt des Herstellers.
Warum ist ein Elektroauto nach einem Unfall oft ein Totalschaden?
Ein Elektroauto ist nach einem Unfall oft ein Totalschaden, weil eine beschädigte Antriebsbatterie meist ganz getauscht werden muss. Das kostet schnell mehr als 15.000 Euro. Ist das mehr, als ein gleichwertiges Auto kostet, rechnet die Versicherung einen Totalschaden ab.
Brennt ein Elektroauto nach einem Unfall häufiger als ein Benziner?
Nein, ein Elektroauto brennt nicht häufiger als ein Benziner, so der Gesamtverband der Versicherer. Die Vorsicht nach einem Unfall gilt trotzdem, weil eine brennende Batterie schwer zu löschen ist.
Darf jeder Abschleppdienst ein verunfalltes Elektroauto mitnehmen?
Ein verunfalltes Elektroauto aufladen darf geschultes Personal. Die Batterie abschalten darf nach den Regeln der Berufsgenossenschaften aber nur eine besonders ausgebildete Fachkraft. Fragen Sie den Abschleppdienst deshalb vorher nach seiner Schulung.
