So viel kosten die ersten 10 Kilometer
Für das Abschleppen nach einer Panne oder einem Unfall gibt es keine festen Gebühren. Ein Betrieb darf verlangen, was er mit Ihnen vereinbart oder was in der Gegend üblich ist. Vergleichsportale nennen für 2026 eine Pauschale von 120 bis 210 Euro netto für die Anfahrt und die ersten 10 Kilometer. Danach kostet jeder Kilometer 1,50 bis 3,50 Euro.
Der Verband der Bergungs- und Abschleppunternehmen fragt alle zwei Jahre seine Betriebe nach ihren Preisen. 2024 antworteten 741 Unternehmen. Ein Abschleppwagen bis 12 Tonnen kostete im Mittel 210 Euro netto je Stunde, ein reiner Pannenhilfewagen 165 Euro netto. Im Stundensatz sind laut Verband Bergung, Kilometer und Wartezeit schon enthalten. Eine Grundgebühr oder Kilometergeld soll bei Autos bis 3,5 Tonnen dann nicht extra auf der Rechnung stehen. An diesen Zahlen messen Gerichte später, ob eine Rechnung üblich war, wenn Sie vorher keinen Preis vereinbart haben.
Aus diesen Posten setzt sich die Rechnung zusammen
Eine Abschlepprechnung hat mehrere Posten. Die Pauschale für die ersten 10 Kilometer liegt bei 120 bis 210 Euro netto, jeder weitere Kilometer kostet 1,50 bis 3,50 Euro. Eine Bergung kostet bei Pauschalanbietern 80 bis 200 Euro zusätzlich, ein Tag auf dem Hof 12,61 bis 20 Euro. Auf alles kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer, wenn Sie privat zahlen.
| Posten | Übliche Spanne | Wann er anfällt |
|---|---|---|
| Pauschale für Anfahrt und erste 10 km | 120 bis 210 Euro netto | bei jedem Einsatz |
| Jeder weitere Kilometer | 1,50 bis 3,50 Euro | für jeden Kilometer bis zur Werkstatt |
| Nachtzuschlag, 20 bis 8 Uhr | bis 50 Prozent auf den Lohnanteil | Empfehlung des Branchenverbands |
| Sonn- und Feiertagszuschlag | bis 100 Prozent auf den Lohnanteil | Empfehlung des Branchenverbands |
| Bergung statt Abschleppen | 80 bis 200 Euro zusätzlich | bei Pauschalanbietern; im Stundensatz des Verbands enthalten |
| Standgebühr auf dem Hof | 12,61 bis 20 Euro je Tag | bis Sie das Auto abholen |
| Mehrwertsteuer | 19 Prozent | wenn Sie privat zahlen |
Die Spannen sind Nettopreise. Abschleppdienste rechnen oft netto, weil viele Rechnungen an Versicherungen gehen. Zahlen Sie privat, kommen 19 Prozent dazu. Fragen Sie deshalb vor dem Auftrag immer nach dem Preis mit Mehrwertsteuer, sonst wirkt ein Angebot günstiger, als es ist.
Warum Abschleppen nachts und am Wochenende mehr kostet
Ein Betrieb zahlt seinen Leuten außerhalb der normalen Arbeitszeit mehr Lohn und gibt das an Sie weiter. Der Branchenverband empfiehlt eine feste Staffel: 25 Prozent für Überstunden am Werktag, 50 Prozent nachts und am Samstag ab Mittag, 100 Prozent an Sonn- und Feiertagen. Als normale Zeit gilt werktags 8 bis 17 Uhr und samstags 8 bis 12 Uhr. Der Zuschlag gilt nur für den Anteil des Personals am Preis, nicht für Fahrzeug und Material.
- Nachts von 20 bis 8 Uhr: laut Empfehlung 50 Prozent Zuschlag auf den Lohnanteil.
- Samstag ab 12 Uhr: ebenfalls 50 Prozent.
- Sonn- und Feiertage: 100 Prozent.
- Besondere Arbeit nach Feierabend, etwa einen Mietwagen besorgen: rund 20 bis 45 Euro je angefangene Viertelstunde.
Was der Verband empfiehlt, erkennt ein Gericht aber nicht automatisch an. Das Amtsgericht München prüfte 2018 eine Rechnung für das Abschleppen von einem Privatparkplatz. Von 635 Euro ließ es 344,75 Euro gelten. Als Zuschlag für Nacht und Sonntag erkannte es nur 15 Prozent an.
Was schwere Fahrzeuge, Elektroautos und Bergung kosten
Bis 3,5 Tonnen unterscheidet die Preisumfrage des Verbands nicht nach Größe. Ein SUV kostet danach nicht grundsätzlich mehr als ein Kleinwagen. Ein Transporter oder Wohnmobil kann teurer werden, wenn ein größerer Abschleppwagen oder mehr Zeit nötig ist. Feste Aufschläge dafür nennt aber keine Quelle. Fragen Sie deshalb nach einem Festpreis für genau Ihr Fahrzeug.
- Elektroauto mit beschädigter Batterie nach einem Unfall: Löschdecke 80 bis 500 Euro, Spezialsack 200 bis 1.000 Euro, Überwachung der Temperatur 25 bis 120 Euro je Tag. Das fällt laut Verband nur an, wenn wirklich Gefahr besteht.
- Elektroauto ohne Unfall, nur mit Panne: keine dieser Zusatzkosten.
- Bergung mit Seilwinde, Kran oder Rollen statt Abschleppen: bei Pauschalanbietern rund 80 bis 200 Euro zusätzlich, beim Stundensatz des Verbands schon enthalten.
- Rollen unter den Rädern, einzeln berechnet: 35 bis rund 84 Euro je Achse und Einsatz.
Warum eine Bergung den Preis so deutlich hebt, zeigt der Unterschied zwischen Bergung und Abschleppen.
Wie aus dem Nettopreis Ihre Rechnung wird
Ein Nettobetrag ist nie der Betrag, den Sie am Ende zahlen. Der Fall vor dem Amtsgericht München zeigt, wie sich Grundbetrag, Zuschlag, Mehrwertsteuer und Standgebühr zusammensetzen.
Grundbetrag
Das Gericht erkannte 230 Euro netto als üblichen Grundbetrag an.
Zuschlag
Dazu kamen 15 Prozent für Nacht und Sonntag, weil der Einsatz außerhalb der normalen Zeit lag.
Mehrwertsteuer
Mit 19 Prozent Mehrwertsteuer ergab das 314,75 Euro für das Abschleppen.
Standgebühr
Dazu kamen 30 Euro für zwei Tage auf dem Hof. Zusammen waren das 344,75 Euro statt der verlangten 635 Euro.
Der Fall zeigt zweierlei. Der Zuschlag von 15 Prozent lag weit unter den 50 bis 100 Prozent, die der Verband empfiehlt. Und am Ende blieb gut die Hälfte der ursprünglichen Forderung übrig. Prüfen Sie eine Rechnung deshalb rückwärts: Ziehen Sie zuerst die Mehrwertsteuer ab, dann den Zuschlag, und vergleichen Sie den Rest mit den Spannen oben.
- Notieren Sie Datum und Uhrzeit, wenn der Abschleppdienst ankommt.
- Lassen Sie sich den Preis ohne Zuschlag und ohne Mehrwertsteuer getrennt nennen.
- Vergleichen Sie diesen Preis mit 120 bis 210 Euro für die ersten 10 Kilometer.
- Fragen Sie nach dem Zuschlag in Prozent, nicht nur nach der Endsumme.
- Fragen Sie, ob die 19 Prozent Mehrwertsteuer schon enthalten sind.
Mit welchem Betrag Sie ungefähr rechnen müssen
Die Einordnung ersetzt kein Angebot. Sie hilft aber, eine genannte Summe einzuschätzen, bevor Sie zusagen.
Ist es werktags zwischen 8 und 17 Uhr oder samstags bis 12 Uhr?
Sind es bis zu 10 Kilometer zur Werkstatt, ein normales Auto und keine Bergung?
Rechnen Sie mit rund 120 bis 210 Euro netto, dazu die Mehrwertsteuer.
Rechnen Sie 1,50 bis 3,50 Euro je weiteren Kilometer dazu, bei einer Bergung 80 bis 200 Euro.
Ist es nachts oder Samstag nach 12 Uhr?
Rechnen Sie mit bis zu 50 Prozent Zuschlag auf den Lohnanteil. Gerichte haben teils deutlich weniger anerkannt.
An Sonn- und Feiertagen sind bis zu 100 Prozent Zuschlag auf den Lohnanteil möglich. Fragen Sie vorher nach.
Häufige Fragen
Was kostet ein Abschleppdienst ohne Mitgliedschaft für die ersten 10 Kilometer?
Ein Abschleppdienst kostet ohne Mitgliedschaft für die ersten 10 Kilometer meist 120 bis 210 Euro netto, so Vergleichsportale für 2026. Jeder weitere Kilometer kostet 1,50 bis 3,50 Euro. Der genaue Preis hängt von Betrieb, Gegend und Uhrzeit ab.
Wie viel teurer ist ein Abschleppdienst nachts oder am Wochenende?
Nachts und am Samstagnachmittag empfiehlt der Branchenverband bis 50 Prozent Zuschlag, an Sonn- und Feiertagen bis 100 Prozent, jeweils nur auf den Lohnanteil. Ein Gericht hat in einem Fall nur 15 Prozent anerkannt. Fragen Sie deshalb vorher nach dem Zuschlag.
Kostet das Abschleppen eines SUV oder Wohnmobils mehr?
Ein SUV kostet beim Abschleppen nach der Preisumfrage des Branchenverbands nicht grundsätzlich mehr als ein Kleinwagen. Ein Transporter oder Wohnmobil kann teurer werden, wenn ein größerer Abschleppwagen nötig ist. Fragen Sie nach einem Festpreis für Ihr Fahrzeug.
Was kostet eine Bergung zusätzlich zum Abschleppen?
Eine Bergung mit Seilwinde, Kran oder Rollen kostet bei Pauschalanbietern etwa 80 bis 200 Euro mehr als reines Abschleppen. Rechnet ein Betrieb nach dem Stundensatz des Branchenverbands ab, ist die Bergung darin enthalten und kostet nur die zusätzliche Zeit.
Nennt der Abschleppdienst den Preis mit oder ohne Mehrwertsteuer?
Abschleppdienste nennen ihre Preise oft ohne Mehrwertsteuer, weil viele Rechnungen an Versicherungen gehen. Zahlen Sie privat, kommen 19 Prozent dazu. Fragen Sie deshalb immer nach dem Preis mit Mehrwertsteuer.
